VDI Impulsgespräche zum Thema Digitale Transformation

"Die Digitalisierung fordert uns auf, unsere Technik noch stärker mit der Gesellschaft zusammen entwickeln, dann machen wir weiterhin die besten Produkte der Welt und definieren die deutsche Ingenieurkunst vielleicht noch einmal ganz neu." Klaus Meyer, Vorsitzender des VDI Landesverbandes NRW, eröffnete die VDI Impulsgespräche NRW mit einem hohen Anspruch und wies damit auf die Verantwortung hin, die die heutige Ingenieur-Generation dafür trägt, wie wir in Zukunft leben und arbeiten werden. Dementsprechend konzentriert gingen 30 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft in die VDI Impulsgespräche NRW im Miele Forum in Gütersloh an die Arbeit. Ihr Ziel: den Ingenieurinnen und Ingenieuren Impulse zu geben, damit die digitale Transformation mit allen und zum Wohle aller gestaltet wird.

Bei den Impulsgesprächen begegneten sich Ingenieure und Nichttechniker auf Augenhöhe: Arbeitgeber und Gewerkschafter, Politiker und Wissenschaftler, Verbraucherschützer und Mitarbeiter von Ministerien. Unter den Teilnehmern auch ein digitaler Visionär, ein hauptberuflicher Impulsgeber: Der Journalist und Autor Sascha Lobo sorgte an den Impulsinseln mit seinen Ein- und Ansichten für die schnelle Überwindung von gewohnten Denkstrukturen.

Die Diskussion an vier Impulsinseln von jeweils maximal acht Experten schuf die konstruktive, offene Atmosphäre, in der Lösungsansätze skizziert und ein echter Dialog zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen ermöglicht wurde.Am Ende formulierten die Experten gemeinsam Impulse, die nun in den VDI und in die Ingenieurswelt getragen werden. Ein Format, das auch der Miele Geschäftsführer Dr. Stefan Breit als sehr spannend erlebte: „Wir fragen uns: Wie kann das Zielbild der Digitalen Transformation in unserem Unternehmen aussehen? Ich habe heute von anderen Sichtweisen gehört, ich habe Außenansichten gehört, andere Aspekte, die uns in unserem internen Vorhaben weiterbringen.“

Über alle Themenbereiche hinweg wurde als wichtigster Impuls gegeben, dass der handelnde Mensch bei der Digitalen Transformation in den Mittelpunkt gestellt werden muss. Und das sowohl in der Produktion, als auch auf Kunden-, Produkt- und Benutzerseite. So formulierten die Experten als einen Impuls, dass der User bei der Entwicklung stets mit eingebunden werden müsse, es müsse eine "Sozio-technische Systemgestaltung" kultiviert werden.

Das Thema Aus- und Weiterbildung wurde auf höchster Ebene mit Vertretern von Ministerien, Hochschulen und Gewerkschaften diskutiert. Ein Impuls ist, eine bundesweite, obligatorische Medienkompetenz für alle Schüler zu unterstützen, so wie es die Landesregierung in NRW ab 2019 in den Schulen umsetzen will. An den Hochschulen dagegen bräuchte es weniger verschultes Lernen und mehr Platz für Problemlösungen, Kreativität und Vernetzung. Für Dr. Michael Krause von der bergischen Universität Wuppertal waren die Impulsgespräche ein Ideen-Pool: "Ich nehme mit, welche Themen in der Praxis benötigt werden, was die Lehre und was die Hochschule liefern können, welche Angebote auf akademischem Niveau gemacht werden müssen."

Auch regten die Impulsgeber an, ein neues Berufsverständnis oder gar neue Berufsbilder zu entwerfen, die in der Digitalisierung notwendig sind. Sie nannten als Beispiel einen Soft-/Hardware-Architekten. Produkte haben heute mechanische und digitale Eigenschaften - und genau daraus ergebe sich die Leistung. Daher müsse Software und Hardware von Anfang an "zusammen gedacht" werden. Ein Soft-/Hardware-Architekt könnte als Schnittstelle zwischen verschiedenen Experten arbeiten.

Das Thema Datensicherheit war ebenfalls ein zentrales Thema der Impulsgespräche. In diesem Zusammenhang nahm Matthi Bolte, Landtagsabgeordneter der Bündnis 90/Die Grünen, einen neuen Denkansatz mit: "Wie geht man eigentlich mit den Daten um, die sekündlich eingesammelt werden? Darüber denken wir und viele andere Menschen sehr intensiv nach: Warum gibt es keinen geschützten, neutralen Ort für die Aufbewahrung dieser wertvollen Daten, zum Beispiel ein Verein oder eine Stiftung?"

Am Ende eines langen Tages im Miele Forum in Gütersloh sah man immer noch in neugierige Gesichter. Sascha Lobo hatte die Teilnehmer mit seiner Key-note noch einmal über Denkgrenzen hinausgeführt, sodass alle Teilnehmer und weitere 100 Gäste des VDI LV NRW mit dem Bewusstsein nach Hause führen, dass neue Kooperationen und der Dialog mit ungewohnten Partnern handfeste Perspektiven für die eigene Arbeit und den Erfolg in der digitalen Transformation erschließen. So wie der Ingenieur Dr. Andreas Braasch, Geschäftsführer des Instituts für Qualitäts- und Zuverlässigkeitsmanagement: „Die Impulse aus dem nicht Ingenieur-Bereich waren für mich besonders wertvoll. Ich habe viel darüber erfahren, welche Bedürfnisse – aber auch Potenziale – es noch gibt. Die Impulse und Kontakte eines solchen Tages sind schon jetzt für meine Arbeit wichtig.“

Doch was passiert mit den Ergebnissen der VDI Impulsgespräche? Dieter Westerkamp, Bereichsleiter Technik und Wissenschaft beim VDI: „Wir haben viele Impulse gesammelt, die wir unbedingt im VDI vertiefen müssen. An einigen Themen sind wir schon ganz eng dran, das bestätigt unsere Arbeit im Verein. Die Ideenansätze von den VDI Impulsgesprächen NRW helfen uns weiter, die Perspektiven noch weiter zu öffnen.“

Auch für Klaus Meyer sind die Impulsgespräche zum Thema "Digitale Transformation" ein Startschuss: "Die Impulse von heute haben eine enorme Kraft, um Debatten in der Ingenieurswelt anzustoßen und mit breitem Wissen anderer Akteursgruppen zu unterlegen. Auf diesen Dialog mit meinen Ingenieurskolleginnen und -kollegen im VDI freue ich mich sehr, zumal wir Ingenieure immer sehr ergebnisorientiert miteinander diskutieren. So bin ich sicher, unseren Gestaltungsanspruch für ein gutes Leben und Arbeiten in einer digitalisierten Welt am Ende auch einlösen zu können."

Auf die Fortführung des Dialogs freute sich auch Wolfgang Nettelstroth von der IG Metall NRW: "Es war aus meiner Sicht eine gute Mischung der Akteure, wir haben in dieser Konstellation noch nie diskutieren können. Wenn auch Wahrnehmung und Hintergrund unterschiedlich sind - der Diskussionsgegenstand ist der gleiche: gutes arbeiten in der digitalisierten Welt. Und ich habe festgestellt, dass der Dialog hier beim VDI bestens funktioniert."  

[Quelle: www.impulsgespraeche.de]

Weitere Informationen zum Thema und zu den VDI Impulsgesprächen unter www.impulsgespraeche.de.

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