Physikkolloquium an der Universität Bielefeld

Von April bis Juli öffnet die Fakultät für Physik der Universität Bielefeld ihre Forschungswelten in 14 Kolloquien, die offen sind für alle. Zur Auftaktveranstaltung in der Universität Bielefeld trafen sich alle potenziellen Akteure, um die Zielrichtung der Kooperation zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu diskutieren und justieren.

Oberbürgermeister Pit Clausen eröffnete die Tagung und wies auf die Umfrage aus dem vergangenem Jahr hin, nach der ein Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in Bielefeld und Ostwestfalen-Lippe bereits auf einem sehr hohen Niveau gelebt werde. Diese Kooperationen sollen noch intensiviert, die Kompetenzen gebündelt werden, denn bis 2020 soll mindestens 20 Prozent des Bielefelder Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen, 25 Prozent des Stroms in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt und der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß um 40 Prozent reduziert werden. „Der Wissenschaftsstandort Bielefeld wird auch in diesem wichtigen Handlungsfeld zeigen, was er für die Region leisten kann“, so Clausen. Dabei sei es aber wichtig, dass die Wissenschaft ihre Expertise in die Gesellschaft einbringe.

Professor Dr. Helmut Stiebig von der Universität Bielefeld betonte in seinem Impulsvortrag, dass die nächste Phase der Energiewende intelligenter und vernetzter - also interdisziplinärer - gedacht werden müsse. „Die Bereitschaft, sich der Disziplin und Lebenswirklichkeit von Wissenschaft, Bevölkerung und Praktikern zu öffnen und umgekehrt eigenes Wissen zu übersetzen, schafft einen Dialog und neue, konstruktive Ergebnisse. Die Wissenschaft ist ein Eldorado von Lösungsmöglichkeiten, die es nun mit den Erfahrungen der Energieakteure zu verbinden gilt“, sagt der Physikprofessor mit Praxiserfahrung in der Solarbranche.

Zu den Initiatoren der Veranstaltung gehören neben Professor Stiebig,  Klaus Meyer, Geschäftsführer von Energie Impuls OWL und Dr. Peter Deininger, Erster Vorsitzender des Landesverbandes NRW der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie: „Die Vision von 100 Prozent Erneuerbarer Energie hat in den letzten 15 Jahren enorme Kräfte in Unternehmen, Wissenschaft und Gesellschaft mobilisiert. Die erreichten 30 Prozent Erneuerbaren im Strommix sind ein Erfolg, machen das weitere Wachstum aber nicht einfacher. Jetzt kommt es mehr denn je darauf an, alle Technologien, Erzeuger, Netzbetreiber, Unternehmen und Energieverbraucher intelligent miteinander abzustimmen. Zeit also für eine neue Aufbruchstimmung, und Ostwestfalen-Lippe macht ganz vorne mit. Gerade durch die Kompetenzen unserer Spitzenclusterregion für Industrie 4.0 haben wir alles, um unsere Region als Gewinner beim intelligenten Energiesystem der Zukunft zu positionieren“, betont Klaus Meyer.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Auftaktveranstaltung – im Wesentlichen aus dem technisch-naturwissenschaftlichen Sektor – entwarfen zunächst Fragen und Thesen, die im OWL-Kontext in einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion diskutiert werden. Zum Beispiel, wie Bürger weiterhin am Umbau des Energiesystems beteiligt werden können, wie eine Qualifizierung der Beteiligten aussehen müsse oder wie man den Bau energieeffizienter Gebäude unter den bestehenden Restriktionen und Verfahrensvorschriften aus Landes- und Kommunalpolitik doch noch umsetzen könne. Neben dem Oberbürgermeister der Stadt Bielefeld, Pit Clausen, stellten sich auch Friedhelm Rieke von den Stadtwerken Bielefeld, Holger Krings von Phoenix Contact, Marlies Diephaus vom Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk, Pia Dagason von der EnergieAgentur NRW und Johannes Lackmann von der Westfalen Wind GmbH den Fragen der Energieakteure.

Johannes Lackmann: „Durch den aktuellen Ausbau der Windenergie in OWL wird in der Region nun ein Drittel des gesamten Windstroms in Nordrhein-Westfalen erzeugt“. Die Ingenieurinnen und Ingenieure zeigen damit, wie es technisch geht, aber um die technischen Lösungen zur vollen Entfaltung zu bringen, rief der Windkraftpionier seine Ingenieurkollegen dazu auf, sich viel mehr in die Politik einzumischen, um die Rahmenbedingungen für Integration der Erneuerbaren Energien in das Energiesystem zu ermöglichen. Zusammen mit Energie Impuls OWL und der Universität Paderborn treibt Lackmann ein Pilotprojekt in der Region voran, um Wärme- und Strommarkt miteinander zu verbinden.

Marlies Diephaus vom Landeswirtschaftsministerium betonte noch einmal, dass dringend an der Sektorenkopplung zwischen Strom, Wärme und Mobilität gearbeitet werden müsse, wobei Holger Krings von Phoenix Contact bereits technisch erprobte Lösungen – auch unter dem Aspekt intelligenter Vernetzung – benennen konnte, wie die Verbindung von Solarenergie mit Wärmepumpen und E-Mobilität. Neben den technischen qualitäten eines vernetzen Energiesystems bekräftigte Friedhelm Rieke für die Stadtwerke Bielefeld ihren Ansatz, die Bürgerinnen und Bürger an den zukünftigen Lösungen zu beteiligen, selbst wenn das beispielsweise bei Standorten für Windenergielagen nicht konfliktfrei sei. Die Erfahrungen mit der Bürgerbeteiligung beim Energiekonzept der Stadtwerke aber würden Mut machen, hier etwas gemeinschaftliches auf die Beine zu bekommen.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Marija Bakker, bekannt aus der WDR-Wissenschaftssendung Leonardo.

Termine der Vortragsreihe

Kolloquien Energiewende (34,3 KiB)